Depression am Arbeitsplatz

Verbreitung und Kosten von Depressionen in der Schweiz

Depressionen betreffen im Lebensverlauf eine von fünf Personen, beginnen mit durchschnittlich 30 Jahren, zeigen überwiegend einen wiederkehrenden oder chronischen Verlauf, liegen oft gleichzeitig mit anderen Krankheiten vor und wirken sich auch bei geringerem Schweregrad behindernd aus. Zudem tragen Stigmatisierung und Versorgungsmerkmale zur Behinderungslast bei: So sucht nur etwa jede zweite erkrankte Person eine professionelle Behandlung auf, wobei die Zeitspanne zwischen erstmaliger Erkrankung und Behandlungsbeginn im Schnitt 10 Jahre beträgt. In der hausärztlichen Behandlung werden Depressionen oft nicht diagnostiziert und womöglich nicht immer adäquat behandelt. Weiter scheinen gerade Patienten/Patientinnen mit komorbiden Störungen, das heisst, mit zur Depression zusätzlichen körperlichen oder psychischen Beschwerden, zu wenig adäquat versorgt, was zu verstärkten Arbeitsproblemen führt. Schliesslich werden berufliche Probleme von depressiven Patienten und Patientinnen in der Behandlung wenig fokussiert, was die Ausgliederung verstärkt und die Behandlungs- und Behinderungskosten in die Höhe treibt.

Für die Schweiz wurden Folgekosten affektiver Störungen bei Personen im erwerbsfähigen Alter von über 11 Milliarden Schweizer Franken errechnet, wiederum mehrheitlich bedingt durch Fehlzeiten und verringerte Produktivität (Tomonaga et al., 2013). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO ) erwartet für die nächsten Jahre, dass unipolare Depressionen die Rangliste der Krankheiten mit der schwersten Behinderungslast anführen werden. Depressionen sind deshalb ein prioritäres gesundheits- und sozialpolitisches Thema.

 

(Quelle: Baer, N., Schuler, D., Füglister-Dousse, S. & Moreau-Gruet, F. (2013). Depressionen in der Schweiz. Daten zur Epidemiologie, Behandlung und sozial-beruflichen Integration (Obsan Bericht 56). Neuchâtel: Schweizerisches Gesundheitsobservatorium.)

 

Depression und Erwerbstätigkeit

Zwischen Depression und Erwerbstätigkeit bestehen vielfältige und wesentliche Zusammenhänge (OECD, 2012; Schuler & Burla, 2012). Depressive Erkrankungen sind eine der häufigsten Ursachen für Arbeitsplatzprobleme, Stellenverlust und Invalidität. Umgekehrt gehören Arbeitslosigkeit, Arbeitsplatzunsicherheit sowie ungünstige Arbeitsbedingungen zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine depressive Erkrankung. Die arbeitsbezogenen Folgekosten depressiver Erkrankungen sind der Hauptgrund dafür, dass Depressionen mit an der Spitze der ökonomisch folgenreichsten Erkrankungen stehen.

Die Arbeitssituation ist zentral für Menschen mit depressiven Symptomen. Zum einen für die rasche Genesung, zum anderen auch, weil sie am Arbeitsplatz einem enormen Stress ausgesetzt sind: Teils weil sie häufig in stressigen Arbeitsumgebungen arbeiten, teils weil sie die Arbeit durch eine depressiv gefärbte Brille sehen.

  

Depression und Erwerbslosigkeit

Der Obsan-Bericht (2013) erläutert, dass Erwerbslosigkeit mit zunehmendem Alter (bis zum Alter von 54 Jahren) immer häufiger mit Depressionen verbunden ist. Schon in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen ist die Depressionshäufigkeit bei Erwerbslosen erhöht (5,1%) und steigt weiter stark an. Bei den nicht erwerbstätigen 35- bis 44-Jährigen beträgt der Anteil depressiver Personen schon 8,2% und bei den 45- bis 54-Jährigen gar 11,1%. Diese Zahlen (SPH-Daten) bestätigen den markanten Zusammenhang von Erwerbstätigkeit und Depressivität . Haben voll erwerbstätige Personen lediglich einen Anteil starker Depressivität von 2,6%, so beträgt dieser Anteil bei den erwerbslosen Personen rund das Zehnfache (28.7%).

 

(Quelle: Baer, N., Schuler, D., Füglister-Dousse, S. & Moreau-Gruet, F. (2013). Depressionen in der Schweiz. Daten zur Epidemiologie, Behandlung und sozial-beruflichen Integration (Obsan Bericht 56). Neuchâtel: Schweizerisches Gesundheitsobservatorium.)

 

 

Auswirkungen von Depressionen am Arbeitsplatz

Der Obsan-Bericht 2013 beschreibt, wie stärkere depressive Symptome sehr eng mit Leistungseinbussen am Arbeitsplatz und erhöhten Arbeitsabsenzen zusammenhängen:

 -       Arbeitnehmende mit stärkeren depressiven Symptomen fehlten innerhalb des letzten Monats vor der Befragung an jedem zweiten bis dritten Arbeitstag.

-       Zudem arbeiten Personen mit depressiven Symptomen häufiger aus gesundheitlichen Gründen Teilzeit.

 -       Depressive Symptome schlagen sich bei den Männern (nicht bei den Frauen) auch im Erwerbseinkommen nieder: Während beschwerdefreie Männer 2007 ein mittleres Einkommen von CHF 6100 hatten, betrug dieses bei denjenigen mit leichten depressiven Symptomen noch CHF 5400 und bei solchen mit mittleren bis schweren Symptomen rund CHF 4900. Dies mag auch mit der häufigeren Teilzeitarbeit und mit einer niedrigeren beruflichen Position zu tun haben.

-       Entgegen gängiger Meinungen berichten Erwerbstätige mit depressiver Belastung aber nicht besonders häufig über Belastungen durch Multitasking, laufende Neuerungen oder PC-Arbeit, sondern häufiger über körperlich belastende Arbeiten. 

-       Weiter erleben Arbeitnehmende mit depressiven Symptomen sehr viel weniger Arbeitszufriedenheit und sehr viel mehr Überforderung, Nervosität, Ängste und vor allem Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren als beschwerdefreie Personen. Entsprechend können sie besonders häufig nach der Arbeit nicht mehr «abschalten». 

   

(Quelle: Baer, N., Schuler, D., Füglister-Dousse, S. & Moreau-Gruet, F. (2013). Depressionen in der Schweiz. Daten zur Epidemiologie, Behandlung und sozial-beruflichen Integration (Obsan Bericht 56). Neuchâtel: Schweizerisches Gesundheitsobservatorium.)